poesie des verstoßenen – werkschau thierry zéno

Das Kino Thierry Zénos – obskur, verborgen, unerschlossen, und so weit wie nur irgend möglich davon entfernt, in der Filmgeschichtsschreibung zu kanonischen Ehren gelangt zu sein – sollte eigentlich beispielhaft für einen inklusiven und über alle Maßen poetischen Zugang zur Kunstform Film herangezogen werden, der sich dem Absonderlichsten und Randständigsten der menschlichen Kultur mit größtmöglicher Neugier und Empathie nähert – das Risiko eingehend, für seine Ehrlichkeit, seine Konzentration und seine mystische Andächtigkeit gegenüber dem Objekt seiner Beschäftigung, selbst zum Verstoßenen zu werden.

Seit ich im Jahr 2013 (noch im Rahmen einer Seminararbeit) begonnen habe, mich näher mit dem Kino Thierry Zénos zu befassen, keimte in mir der Wunsch, das Werk des belgischen Underground-Regisseurs in seiner Gänze – in Form einer Werkschau – auf eine deutsche Leinwand zu bringen. Um es einerseits ins Licht cinephiler Rezeption zu rücken, es überhaupt sichtbar zu machen (außer seinem „Skandalfilm“ Vase de noces, dem einzigen, annähernd populären Film seines Schaffens, ist kein Film in Deutschland oder einem europäischen Nachbarland auf DVD oder VHS greifbar) – aber auch, um die herrliche Versunkenheit an sich, das Verweilen im Verstoßenen und Abjekten zu feiern, diese konzentrierte Liebe, die Zénos filmisches Werk in jeder Sekunde prägt, und die so diametral all dem gegenüber steht, was den heutigen Zeitgeist ausmacht.

Am 28. und 29. September findet nun in der Frankfurter Pupille die erste deutschsprachige Werkschau zum Schaffen Thierry Zénos (1950-2017) statt, in deren Rahmen die zentralen Filme Vase de noces und Des morts (1979) in analogen 35mm-Projektionen zu sehen sein, und fünf weitere Dokumentarfilme aus den Jahren 1971 bis 1998 ihre Deutschlandpremiere feiern werden – größtenteils in eigens untertitelten 16mm-Kopien.

Auf meinem Blog wird es in den nächsten Tagen ein wenig begleitendes Textmaterial zur Veranstaltung geben, hauptsächlich zu Vase de noces, Les tribulations de Saint Antoine und Des morts: teilweise sind dies (überarbeitete) Auszüge aus meinen Seminar-Arbeiten zu Zéno, teils einfach nur ungeordnete Gedanken, die der Beschäftigung und dem Verweilen in Zénos Filmen entsprungen sind.

Das Programm der Reihe in Frankfurt:

Samstag, 28. September

18:30 Begrüßung
19:00 Bouche sans fond ouverte sur les horizons (1971) (DCP, 26 min, OmU)
20:00 Vase de noces (1974) (35mm, 81 min, kein Dialog)
22:00 Les tribulations de Saint Antoine (1984) (16mm, 40 min, OmU)

Sonntag, 29. September

13:00 Les muses sataniques (1983) (16mm, 60 min, OmU)
14:30 Chroniques d’un village tzotzil (1984-1992) (16mm, 99 min, OmeU)
17:30 Ya Basta! Le cri des sans-visage (1995-1997) (DCP, 50 min, OmU)
19:00 Des morts (1979 (35mm, 102 min, OmU)

Poesie des Verstoßenen – Werkschau Thierry Zéno

Veröffentlicht am 15. September 2019, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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